Die Düevelskull

Eine heimatgeschichtliche Erzählung

Quelle: St. Michaels-Boten, Ausgabe 01/1998

Wer heute die Landwehr vom Rennbahnweg in Richtung Paul-Moor-Schule (ehemaliges Mütter-Genesungsheim) geht, hat einen freien Blick auf den links liegenden Heerdter-Hof. 

Dies war nicht immer so. Etwa an der heutigen Abzweigung nach Heerdt befand sich noch vor nicht all zu langer Zeit ein Teilstück der Landwehr, welches abgeholzt, später nun wieder aufgeforstet wurde. Zwei mächtige Buchen kennzeichneten die Stelle, an der im Mittelalter der Sage nach ein kleines Kapellchen gestanden hat, welches der Gottesmutter geweiht war. 

 

 

Wer heute die Landwehr vom Rennbahnweg in Richtung Paul-Moor-Schule (ehemaliges Mütter-Genesungsheim) geht, hat einen freien Blick auf den links liegenden Heerdter-Hof.
Dies war nicht immer so. Etwa an der heutigen Abzweigung nach Heerdt befand sich noch vor nicht all zu langer Zeit ein Teilstück der Landwehr, welches abgeholzt, später nun wieder aufgeforstet wurde. Zwei mächtige Buchen kennzeichneten die Stelle, an der im Mittelalter der Sage nach ein kleines Kapellchen gestanden hat, welches der Gottesmutter geweiht war.
Mit diesem Kapellchen hat es folgende Bewandtnis: Ein frommer Küster aus Mönchengladbach war unverschuldet in Not geraten und pilgerte, wie so oft, an einem Sonntag Abend zu diesem Kapellchen, um der Gottesmutter von seiner Not zu berichten. In der Hoffnung, daß er Erhörung finden könnte, betete er an diesem Abend einen ganzen Rosenkranz. Beim letzten Gesetz nun hörte er eine Stimme, die ihm einsuggerierte "Ich kann Dir helfen, wenn Du willst". Ganz verwundert drehte sich der Küster um, damit er erkennen konnte, wer wohl mit ihm rede. Aber er konnte nichts erkennen und dachte bei sich, er habe wohl geträumt. Aber wiederum hörte er die Worte: "Ich kann Dir helfen, wenn Du willst." Als er sich nun umdrehte, bemerkte er eine dunkle Gestalt, die durch die kleine Pforte in das Kapellchen eintrat. "Wer bist Du und wo kommst Du her ?" fragte der sichtlich verstörte Küster. "Ich komme aus einem Reich, in welchem ich Macht habe, alles zu ermöglichen." "Kannst Du dann auch mir helfen ?" klang ganz schüchtern die Stimme des Küsters. "Sicherlich kann ich das. Du mußt mir nur Deine Seele als Pfand verkaufen, die mein Eigentum wird, wenn Du einmal sterben solltest. Auch eine Pflicht besteht für Dich, an jedem Heiligen Abend Punkt 24 Uhr treffen wir uns hier an diesem Ort."
In seiner großen Not ging der Küster auf dieses Angebot ein, unterschrieb den Kontrakt und erhielt einen Lederbeutel mit vielen Goldtalern. Beschwingt, jedoch schweren Herzens trat er seinen Heimweg an, lebte mit seiner Familie nicht mehr in Armut und Not und besuchte jeden Heiligen Abend das kleine Kapellchen. Mit den Jahren nun, als das Leben des Küsters sich zu Ende neigte, kamen ihm trübe Gedanken, wie es sich wohl im Himmel (in den er zu kommen gedachte) ohne Seele leben würde und er wurde immer unruhiger.
Als er wieder einmal am Heiligen Abend im Kapellchen kniete und auf die Begegnung mit seinem Geldgeber wartete, dachte er sich: "Wie kann ich nur meine Seele retten?" Als er dies nun seinem Gönner vortrug, lachte dieser nur, verwies auf den Vertrag und verlangte für eine Ablösung seine Goldtaler zurück. Dies jedoch konnte der arme Küster nicht bewerkstelligen.
Nun ergab es sich jedoch, daß im Ort eine reiche alte Jungfrau starb und dem Küster ihr ganzes Vermögen hinterließ. Dies, dachte der Küster, kann die Gelegenheit sein, deine Seele wieder zurückzuerhalten.
Er wartete also auf den Heiligen Abend und begab sich, wie seit Jahren, zu dem Kapellchen. Als nun 24 Uhr erreicht waren, erschien sein Geldgeber und fragte nach seiner Gesundheit. Die sei ausgezeichnet, antwortete der Küster und gab seinem Gegenüber einen Lederbeutel mit Goldtalern. Als dieser das Geld sah, fiel die Hülle von ihm ab und der leibhaftige Teufel stand vor dem Küster. Da nahm der Küster den geschlossenen Vertrag und zerriß ihn in tausend Stücke. Dies ging dem Teufel so zu Herzen, daß er einen herzzerreißenden Schrei ausstieß, die Erde sich auftat und er mitsamt dem Kapellchen verschwand und einen tiefen Krater hinterließ - "die Düevelskull".
Der Küster - ganz verstört von diesem Ereignis - lief ganz schnell nach Hause und erzählte seiner Ehefrau diese Geschichte. Voller Dankbarkeit für die Errettung der Seele schwor der Küster weiterhin am Heiligen Abend diesen Ort aufzusuchen.
Und Sie, liebe Leserin, lieber Leser, können sich von der Wahrheit der Legende überzeugen. Sie müssen nur am Heiligen Abend um 24 Uhr die beschriebene Stätte besuchen. Dort hören Sie (wenn Sie ganz still sind) noch die Glocke des Kapellchens läuten.

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